Die Königin der Raben von Julie Watson

Originaltitel: 
The Raven Queen
Verlag: 
Blanvalet
Erscheinungsjahr: 
2011
ISBN: 
978-3442376858
Seiten: 
640

“Die Königin der Raben” ist eine moderne Nacherzählung der berühmten keltischen Sage um den Helden Cúchulainn aus Sicht einer Frau. Im Mittelpunkt des Romans steht Maeve, die Tochter des Königs von Connacht. Ihr Leben lang musste sie ihre Wünsche den politischen Interessen ihres Vaters unterordnen. Sie hat schon mehrere taktische Ehen hinter sich, mehrere Kinder verloren. Nun will sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Sie verlässt ihren Ehemann Conor, den brutalen König der Ulaid, und kehrt nach Hause zurück. Dort liegt ihr Vater mittlerweile im Sterben und Maeves männliche Familienmitglieder streiten sich um die Nachfolge. Doch Maeve ist es leid von Männern beherrscht zu werden. Sie beschließt, selbst nach der Königswürde zu streben, Conor zu besiegen und die Völker Irlands zu vereinen. Der geheimnisvolle blinde Druide Ruan soll ihr dabei helfen den Segen der Sídhe für ihr Vorhaben zu gewinnen. Mit all der Verbitterung, die Maeve in sich trägt, ist sie jedoch selbst blind für die Wunder der Anderswelt und merkt zu spät, dass Ruan für sie viel mehr ist als nur ein Mittel zur Macht.

“Die Königin der Raben” vereint viele Motive, die ich in einem historischen Fantasy-Roman schätze. Es gibt eine epische Handlung über Krieg und Frieden, Treue und Verrat, tapfere, sagenhafte Helden und göttliche Visionen. Dazu eine leise, tragische Liebesgeschichte, die sich durch das ganze Buch hindurch zieht, sich jedoch angenehm im Hintergrund hält.

Doch trotz all dem ist es der Geschichte nicht gelungen, mich vollends in ihren Bann zu ziehen. Für meinen Geschmack entwickelt sich die Handlung zu gemächlich. Von Beginn an ist klar, dass die Geschichte auf eine (kriegerische) Auseinandersetzung zwischen Maeve und König Conor hinauslaufen wird. Mir fehlten jedoch ernsthafte Zwischenhindernisse, die Maeves Weg für den Leser kurzweiliger gestaltet hätten.

Die fehlenden äußeren Schwierigkeiten fallen umso mehr ins Gewicht, da Maeve ein sehr distanzierter Charakter ist. Sie hält nicht nur die Menschen in ihrer Umgebung, sondern auch den Leser auf Abstand. Über einen Großteil des Buches lässt sie keine (oder nur wenig) Gefühle zu, was es für mich sehr schwierig gemacht hat, mich mit ihr zu identifizieren oder ihre Entscheidungen nachzuvollziehen. Julie Watson schildert zwar immer wieder Maeves innere Zerissenheit zwischen Schicksal und Selbstbestimmung, Macht und Liebe. Ihre innere Wandlung ist jedoch schwierig und braucht Zeit.

Die Nebenfiguren hingegen, allen voran Ruan, aber auch die Helden der Ulaid, Cúchulainn und Ferdia, wirkten da durchaus greifbarer auf mich. Es war das erste Mal, dass ich ein Buch aus diesem Sagenkreis gelesen habe, doch der Autorin ist die Vorstellung der Hauptcharaktere so gut gelungen, dass sie schon bald wie alte Bekannte für mich waren.

Besonders hervorheben möchte ich Watsons Darstellung der Sídhe und der Anderswelt. Sie beschreibt wunderbar die Leichtigkeit und Zwischenweltlichkeit der Feenwesen und fängt den Zauber der Natur sehr gekonnt ein ohne zu weit ins Esoterische abzugleiten. Die entsprechenden Szenen waren sehr schön zu lesen.

“Die Königin der Raben” ist ein Roman mit Licht- und Schattenseiten. Es ist eine gute Geschichte über eine große keltische Legende und eine verzweifelte Liebe. Ich hatte mir jedoch etwas mehr Spannung und etwas mehr Gefühl erwartet. Für alle, die die Abenteuer von Maeve, Cúchulainn und Co. noch nicht kennen, trotzdem ein guter Einstieg in die Sage.

Mein Fazit:

Diese Buch wurde mir vom Blanvalet-Verlag freundlicherweise zur Rezension zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!

Wer einen ersten eigenen Einblick in die Geschichte bekommen möchte, findet auf der Homepage des Verlags eine Leseprobe.

Ich freue mich immer über Fragen und Kommentare!

Scheut euch auch nicht, mir zu schreiben, wenn ihr eine andere Meinung von dem Buch habt als ich.

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Vielen Dank für die Rezension und liebe Grüße vom Blanvalet Verlag

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