Die Iden des März von Thornton Wilder

Originaltitel: 
The Ides of March
Verlag: 
Fischer
Erscheinungsjahr: 
1949
ISBN: 
978-3596119769
Seiten: 
300

In pseudohistorischen Briefe, Tagebucheinträgen und Gedichten erzählt Wilder von den letzten Monaten, Tagen und Stunden im Leben des großen römischen Diktators Gauis Julius Caesar. Er lässt dabei Freunde, Feinde und Verehrer Caesars zu Wort kommen und schafft so ein äußerst lebendiges, vielschichtiges Bild des Diktators.

Die verwendeten Dokumente sind (fast) alle frei erfunden, wirken jedoch sehr authentisch und scheinen den Leser tatsächlich in die Zeit des Untergangs der Römischen Republik zurückzuversetzen. Wir erfahren nicht nur Caesars Gedanken zu Philosophie und Religion, sondern lernen auch den Einfluss von Graffiti auf die Politik im Alten Rom kennen. Die faszinierende und polarisierende Wirkung von Caesars Persönlichkeit hat Wilder sehr gekonnt herausgearbeitet. Viele Schriftstücke beschäftigen sich direkt oder indirekt mit Caesars Person, wobei die meisten Schreiber den Diktator entweder bedingungslos hassen oder lieben. Garniert wird das Ganze durch ein paar interessante und teilweise auch amüsante politische und private Intrigen, die in Briefwechseln zwischen Spitzeln, ihren Auftraggebern und den Bespitzelten selbst zu Tage kommen.

Die Erzählung durch aneinandergereihte Dokumente ist zunächst ungewohnt. Wenn man sich ein wenig eingelesen hat, die wichtigsten Namen verinnerlicht und sich an die etwas altertümliche Sprache gewöhnt hat, liest sich das Buch aber sehr flüssig und leichter als ich erwartet hatte. Die Erzählform schafft jedoch automatisch eine etwas größere Distanz zum Text, da man immer wieder versucht ist in die Rolle eines Historikers zu schlüpfen, um die Dokumente zu analysieren. Wilder unterstützt dies noch, indem er die Texte selbst immer wieder durch kurze pseudowissenschaftliche Anmerkungen und Einfügungen unterbricht, in denen er sich beispielsweise über Glaubwürdigkeit oder Herkunft der (von ihm selbst erfundenen) Dokumente auslässt.

“Die Iden des März” ist ein etwas anderes Buch - ein fiktiver Briefroman, der in äußerst überzeugendem historischem Gewand daher kommt. Als Einstieg in die römische Geschichte ist das Buch wohl nur bedingt geeignet. Wer sich aber mit den Geschehnissen um Caesars Tod schon ein bisschen auskennt, erhält hier eine sehr interessante neue Version der Geschichte.

Mein Fazit:

Ich freue mich immer über Fragen und Kommentare! (Spoiler bitte kennzeichnen)

Kennt jemand andere gute Romane über Caesar und seine Zeit?

Kommentare

Ein historischer roman in briefen - so wird geschichte lebendig und bereitet grosses lesevergnügen.

Hallo und danke für den Kommentar!

Das Brief-Format vermittelt tatsächlich ein ganz neues Gefühl von Authentizität, das dieses Buch von anderen historischen Romanen abhebt.

Ich war positiv überrascht, wie spannend und unterhaltsam der Roman trotz der ungewohnten Erzählweise war.

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