Lycidas von Christoph Marzi

Genre: 
 (Band 1)

Verlag: 
Heyne
Erscheinungsjahr: 
2004
Seiten: 
864

Lycidas und seine Nachfolgebände habe ich in der Buchhandlung schon oft bewundert. Ich bin Fan von dicken Fantasy-Büchern mit schönem, nicht zu fantastischem Cover. Dennoch hat es ein paar Jahre gedauert, bis ich das Buch jetzt endlich gelesen habe. Ich hätte das schon viel früher tun sollen!

Im Mittelpunkt des Romans steht das einäugige Waisenmädchen Emily Laing. Hinter den dicken Mauern des Waisenhauses von Rotherhithe lernte sie schon früh die Grausamkeit der Welt kennen. Sie konnte jedoch nicht ahnen, welche weit düsteren Gefahren außerhalb des Hauses in den Straßen von London lauern - und welche darunter.

Emilys Leben ändert sich schlagartig, als sie einer sprechenden Ratte namens Lord Brewster begegnet und kurz darauf aus dem Waisenhaus flieht. Auf ihrer Flucht begegnet sie dem Alchemisten Mortimer Wittgenstein, dem Erzähler des Buches. Wittgenstein und der Elf Maurice Micklewhite nehmen Emily und ihre Freundin Auroria Fitzrovia unter ihre Fittiche und weihen sie ein in die Geheimnisse der Uralten Metropole, der Stadt unter der Stadt. Sie helfen auch bei der Suche nach der kleinen Mara Mushroom, die von Werwölfen aus dem Waisenhaus entführt wurde. Dabei zeigt sich, dass Mara bei Weitem nicht das einzige entführte Kind ist. Immer wieder sind in London Kinder verschwunden.

Emily muss bis in die Tiefen der Hölle hinabsteigen, mit Engeln und Teufeln verhandeln und große persönliche Opfer bringen, bis alle Geheimnisse gelöst und alle Feinde besiegt sind. Doch zunächst gilt es, herauszufinden, wer nun eigentlich Feind und wer Freund ist...

Lycidas ist ein fantastischer Urban Fantasy Roman, der einfach wunderschön zu lesen ist. Die Geschichte wird aus der Sicht Wittgensteins erzählt, eines sehr sympathischen Alchemisten, der eigentlich mit Kindern gar nichts anfangen kann. Da er die Geschichte rückblickend erzählt, ist der Stil eine Mischung aus personalem Ich-Erzähler und allwissendem Kommentator. Seine spröden Anmerkungen und das genervte "Kinder!" sorgen für eine Prise Humor in der ansonsten eher düsteren Erzählung. Zudem pflegt er recht häufig Teile späterer Ereignisse vorwegzunehmen - neben der Wiederholung zentraler Phrasen ein auffälliges Stilmittel. Was die Erzählkunst betrifft, hebt sich Lycidas in meinen Augen positiv von der Masse der Fantasy-Romane ab.

Doch auch die Geschichte lässt an Spannung und Kreativität nichts zu wünschen übrig und überrascht immer wieder mit interessanten Wendungen. Nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick scheint.

Zusammen mit den liebenswerten Charakteren und der düster-dichten Atmosphäre ergibt sich ein wunderbar rundes Lesevergnügen. Lycidas ist ein sehr empfehlenswerter Roman über Freundschaft und Verrat.

 

Diese Buch habe ich für die All you need is Fantasy - Challenge gelesen.

Mein Fazit:

Information zur Reihe:

Die Uralte Metropole

Fantastische Romanreihe über die Abenteuer eines Waisenmädchens in der Stadt unter der Stadt. Mit Alchemisten, Engeln, Teufeln und adligen Ratten.

1: Lycidas
2: Lilith
3: Lumen
4: Somnia

Hat euch Lycidas auch schon in seinen Bann gezogen? Oder überlegt ihr noch, ob ihr es lesen sollt?

An alle, die das Buch schon kennen: Was haltet ihr von Marzis nicht-chronologischem Erzählstil? Spannend, interessant oder eher verwirrend?

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